Wir standen mit Blumenketten um den Hals am Rand einer Tanzfläche in San Diego, ringsum Leute in Blumenhemden, und auf der Fläche wurde Salsa getanzt. Die Wertungsrichter trugen die albernsten Hüte des Abends.
Und irgendwo dazwischen wurde mir klar: Das hier ist ein Turnierbewerb.
Es war der 8. April 2025, der erste Wettkampftag des Ballroom Beach Bash — und für Katarina und mich das erste Mal überhaupt in einem Night-Club-Bewerb.
Was der Beach Bash ist
Der San Diego Ballroom Beach Bash läuft über mehrere Tage im Hyatt Regency La Jolla. Jeder Tag gehört einem Tanzstil:
- Dienstag — Club Night
- Mittwoch — Rhythm Day
- Donnerstag — International Ballroom und International Latin
- Freitag — Smooth Day
Auf vielen Turnieren springt man den ganzen Tag zwischen Stilen und Kostümen hin und her. Hier weiß man morgens, was einen erwartet.
Katarina und ich waren vom 6. bis zum 11. April dort — mit zwei Tagen Vorlauf und bis zum letzten Turniertag.
Der Tag davor gehört auch dazu
Vor dem ersten Bewerb liegt bei so einer Reise immer ein Tag, an dem nichts passiert. Ankommen, Zeitverschiebung wegstecken, den Saal anschauen.
Wir haben ihn im Balboa Park verbracht und sind ins San Diego Museum of Art gegangen.
Wer zehn Stunden fliegt, um vier Minuten zu tanzen, sollte etwas von der Stadt sehen. Und wer am Vortag noch dreimal die Choreografie durchgeht, kommt nervöser auf die Fläche, nicht sicherer. Ein Turnier gewinnt man nicht am Tag davor. Verlieren kann man es dort sehr wohl.
Der Night-Club-Bewerb — ein Turnier, das sich wie eine Party anfühlt
Night Club ist keine Kategorie, die es bei uns in Österreich in dieser Form gibt. Getanzt werden die Tänze, die sonst außerhalb des Turniersaals stattfinden: Salsa, Bachata, Merengue, argentinischer Tango, West Coast Swing.
Und der Abend wird auch so aufgezogen. Kein Frack, kein Ballkleid — das Motto war Hawaii. Katarina und ich standen mit Blumenketten auf der Fläche, die halbe Halle trug Blumenhemden, und Toni Redpath, eine der Veranstalterinnen, kam in pinker Perücke. Alle tanzten gleichzeitig, die Musik trug durch den ganzen Saal, und irgendwann war gar nicht mehr zu unterscheiden, wer gerade im Bewerb stand und wer einfach mittanzte.
Wir hatten eine irrsinnige Freude daran. Es war eine tolle Energie, ganz anders als in einem Standard-Bewerb — eine Party, bei der zufällig auch gewertet wurde.
Genau diese Tänze — Salsa, Bachata, West Coast Swing — sind das beste Krafttraining für dein Standard- und Lateintanzen. Sie zwingen dich, zu führen und zu folgen statt eine Choreografie abzurufen. Wer das kann, tanzt auch im Turnierprogramm freier.
Rhythm Day
Am nächsten Tag dann das gewohnte Terrain: American Rhythm. Katarina im orangeroten Kostüm, gedeckte Tische ringsum, im Hintergrund der laufende Bewerb.
Unsere Runde war früh am Morgen. Das Bild unten zeigt den Saal kurz davor — die Paare vor uns verbeugen sich gerade, gleich sind wir dran. Man steht am Rand, sieht die Fläche leer werden und weiß, dass sie in einer Minute einem selbst gehört.
Zwölf Stunden vorher stand hier noch die Hawaii-Party. Dieselben Leute, dieselbe Fläche — jetzt Konzentration statt Konfetti.
Ich mag beides. Und ich habe an diesen Tagen gemerkt, wie sehr das eine dem anderen hilft.
Abends dann der Motto-Abend — bei einem Turnier, das „Beach Bash” heißt, steht die Verkleidung ohnehin im Programm.
Privatstunden — aber erst, wenn das Turnier vorbei ist
Eine Reise in die USA lohnt sich für uns doppelt: Wir tanzen ein Turnier, und wir nehmen Stunden bei Trainern, die man in Europa kaum zu sehen bekommt.
Aber nicht nebenbei, zwischen zwei Runden.
Wer an einem Turniertag wertet, darf an diesem Tag niemanden unterrichten. Das ist eine feste Regel, und sie ist richtig so — ein Wertungsrichter, der vormittags Geld von einem Paar nimmt und es nachmittags bewertet, wäre keiner mehr.
Unsere Stunden lagen deshalb nach dem Turnier, an eigenen Tagen und in einem Tanzstudio in San Diego. Geplant haben wir sie lange vorher: Bei Trainerinnen dieser Größenordnung steht der Termin fest, bevor der Flug gebucht ist — nicht umgekehrt.
Wir waren bei Yuki Haraguchi, die uns für American Rhythm viel mitgegeben hat, und bei Toni Redpath.
Stunden bei gefragten Trainern werden separat abgerechnet und sind früh vergeben. Wenn du so etwas vorhast, stimmen wir die Termine ab, bevor die Reise steht — vor Ort ist der Kalender längst voll.
Smooth Day — und eine Begegnung aus Salzburg
Der Donnerstag dazwischen gehörte International Ballroom und Latin. Beides tanzen wir nicht, also war es für uns ein freier Tag.
Am Freitag dann American Smooth.
Und dort bin ich jemandem begegnet, mit dem ich in San Diego nicht gerechnet hätte: Babette Brown, Freundin und Kollegin, gebürtige Salzburgerin, seit vielen Jahren in den USA. Bei diesem Turnier hatte sie eine Aufgabe, die man als Zuschauer gar nicht bemerkt: Sie war Invigilator.
In den Syllabus-Kategorien (Newcomer, Bronze, Silver) sind nur bestimmte Figuren erlaubt — je nach Level. Der Invigilator steht am Rand der Fläche und achtet darauf, dass sich die Paare daran halten. Wer eine Figur tanzt, die in seinem Level nicht vorgesehen ist, wird darauf hingewiesen und bekommt einen Vorschlag für einen erlaubten Ersatz. Die NDCA hat dafür eigene Richtlinien.
Bei uns wird über Figurenbeschränkungen diskutiert. Dort steht jemand am Rand und schaut hin. Für Einsteigerinnen ist das ein Schutz, keine Schikane: Es verhindert, dass jemand mit einer Gold-Choreografie im Bronze-Bewerb antritt und das ganze Feld nach hinten schiebt.
Was ich mitgenommen habe
Drei Dinge:
- Der Night-Club-Bewerb war die Überraschung der Reise. Ich bin ohne Erwartung hingegangen und mit einer neuen Lieblingskategorie zurückgekommen.
- Ein Turnier darf Spaß machen. Das klingt banal, ist es aber nicht. Wer nur Bewerbe kennt, in denen alles auf die Wertung zuläuft, vergisst leicht, warum er angefangen hat.
- Der Weg zwischen den Stilen ist kürzer, als man denkt. Wer Salsa und West Coast Swing tanzt, wird im Rhythm nicht schlechter. Er wird lockerer.
Für wen so eine Reise etwas ist
Ein Turnier in den USA ist ein großer Schritt — Flug, Zeitverschiebung, Kosten. Ich empfehle es niemandem als Einstieg.
Aber wenn du bereits ein paar Turniere getanzt hast und dich fragst, was es außer den europäischen noch gibt: Drüben wird anders getanzt. Lockerer im Ton, dichter im Programm — und mit Trainern zum Anfassen, wie es sie hier nicht gibt.
Die Fakten zum Turnier selbst — Veranstalter, Programm, Anmeldung, Anreise — habe ich als Turnier-Porträt auf proamtanzen.at zusammengestellt.
Und wenn dich der Night-Club-Teil neugierig macht: Diese Tänze unterrichte ich auch in Wien, ganz ohne Turnierabsicht. Schreib mir, dann probieren wir es aus.